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11.04.2016

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Maria Gern ist eine Ortschaft der Gemeinde Berchtesgaden. Maria Gern war bis zur Gebietsreform eine eigenständige Gemeinde.

Maria Gern – Gnotschaft und Gemeinde

Die Anfänge der Besiedlung der früher selbständigen Gemeinde Gern lassen sich naturgemäß nicht exakt erfassen. Der Name Gern wird von mittelhochdeutsch gere = dreieckiges Stück, abgeleitet. Und tatsächlich kann man in dem Hochtal zu beiden Seiten des Gerner Baches, von den Berghängen der Kneifelspitze und des Rauhen Kopfes eingerahmt und von dem tiefen Einschnitt der Almbachklamm abgeschlossen, eine solche Form erkennen. Jedenfalls waren die Talgehänge bewaldet und mussten von den ersten Siedlern gerodet werden. Heute ist Maria Gern vorallem durch die Wallfahrtskirche Maria Gern bekannt. Die Lage der Wallfahrtskirche Maria Gern ist etwas oberhalb von Berchtesgaden im Ortsteil Maria Gern. Die Kirche zählt zu eine der schönsten ländlichen Kirchen in ganz Oberbayern, um nicht zu sagen Bayern. Die Wallfahrt zur Madonna von da Gern (Maria Gern) entwickelte sich nach1600. Der die Kirche wurde in der heutigen Form 1708 – 1710 errichtet. Im Inneren findet man einen reichlich Verzierungen, Stuckdekor und hinter dem Altar zahlreiche Votivtafeln.

Aus dem Jahr 1454 ist als Waldname in der Gnotschaft Gern „abm Planitsch“ überliefert. Durch diese Rodungsarbeit gelangte das Augustiner Chorherren Stift in den tatsächlichen Besitz von Grund und Boden, sie war Voraussetzung zur Ausbildung einer geschlossenen Landeshoheit. Die Siedler im Gerner Tal waren Leibeigene, die ihren Hof vom Stift zu leihen, d.h. als „Lehen“ nahmen. Mit dem Landbrief von 1377 erhielten die bäuerlichen Untertanen die Möglichkeit, ihre Güter vom Stift zu Erbrecht zu kaufen. Vielleicht hatten sich schon in diesem Jahrhundert die Bauern in der Gern zu einer „Gnotschaft“ (Genossenschaft) zusammengefunden, was sicher durch die abgeschlossene Tallandschaft begünstigt war. Grundlage zur Herausbildung von Gnotschaften war die Siedlungsstruktur, und sie erfolgte dort, wo einzelne Einödhöfe in engerem Zusammenhang standen. Der erste Beleg für eine Gnotschaft Gern datiert aus dem  Jahre 1432. In einem Kaufbrief aus diesem Jahr ist zu lesen, dass in der „Gerär Genoschafft“ die Witwe Anna Hatzenstadler ein Stiftslehen zu Erbrecht erworben hatte. Vielleicht aber stammt der erste Hinweis auf Bewohner in der Gern aus dem Jahr 1306, als ein „Haufe Berchtesgadner“ (Koch-Sternfeld, 2. Buch S.  4 in das Salzburger Erzstift einfiel und „große Gewalt“ verübte. Unter den Übeltätern finden wir einen Conrad Undermperge und einen Ulrich von Untermperg. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sie aus dem Untersberglehen stammten, sicher kamen sie aber aus dem Umfeld des Untersberges. In dem ersten Steuerbuch Berchtesgadens von 1456 waren bereits die acht „Urgnotschaften“ aufgeführt: Berg, Au, Scheffau, Bischofswiesen, Ramsau, Schönau, Edenberg und Gern. In diesem Steuerbuch erscheinen aber auch bereits die Unterabteilungen der Gnotschaften, die Gnotschafterbezirke (die heutigen Gnotschaften), die in den späteren Jahrhunderten ihrer Zahl nach variieren konnten. In der Gern gab es zu dieser frühen Zeit einzig den Bezirk Rabenstein. In einem „Verzeichnüß der, in denen Berchtesgadischen acht Gnotschaften aufgestellt und eingetheilten 34 Gnotschäftern“ aus dem Jahr 1802 sind es die drei Gnotschaften Vordergern, Obergern und Hintergern. Es werden hier auch die Namen der Gnotschäfter für die nächsten Jahre genannt. Während in anderen Gemeinden (bzw. Gnotschaften) die Gnotschäfter zumeist jährlich wechselten, waren in der Gern diese Gnotschäfterdienste in dieser Liste für zwei Jahre festgelegt. In Vordergern sind das Michael Hueber in der Fendleiten, Bartlm. Stanger zum Hartler, Joseph Höberamt zum Schwarn, Andre Hasenknopf in Lauch, Wolfgang Bernegger; in Obergern: Wolfgang Holz vom Obern Sommerau Lehen, Andre Renoth in Obern Untersperg, Joseph Renoth zum Kögler, Joseph Holz am halben Stell Lehen, in Hintergern: Hanns Renoth am halben Sel Lehen, Anton Hasenknopf im Berg, Martin Holz zum Schwayger, Johann Renoth zum halben Brandt.
Im Gemeindeverzeichnis von 1817 erscheint die Gemeinde Gern mit den Gnotschaften Anzenbach, Metzenleiten, Hintergern, Obergern und Vordergern. Vor dem 19. Nov. 1818 noch wurden die Gnotschaften Anzenbach und Metzenleiten wieder zur Gemeinde Salzberg, bei der sie auch früher waren, zugeteilt. Die Gnotschäfter verrichteten die Gemeindedienste bis in die Mitte unseres Jahrhunderts. Ihre Aufgaben waren in den vergangenen Zeiten vielfältig. So fungierten sie im 17. Jhd. Als „Armenpfleger“, d. h. sie waren zuständig für die Auswahl und auch Unterstützung der bedürftigen Personen. Sie waren bei der Abfassung der Steuerrollen beim Landgericht und der Aufsicht über die für die Bauern ausgeschiedenen Gemeinwälder beteiligt. Sie hatten auch administrative Aufgaben, so etwa die Einhebung der Steuern und die Weiterleitung regierungsamtlicher Anordnungen. Auch bei der Besprechung von Wege- und Brückenbaumaßnahmen, Bachregulierungen u. ä. waren sie dabei. Zu diesen vielfach allgemein gültigen Aufgaben der Gnotschäfter mussten diese in der Gern noch die Rosenkränze in der Kirche vorbeten und die Messgelder für die Verstorbenen einsammeln, wie auch die Armengeldsammlung durchführen.
Mit dem Jahr 1803 war das Ende des souveränen Kirchenstaates Berchtesgaden gekommen, das Berchtesgadener Land, damit auch Gern, kam zum Kurfürstentum Salzburg, dann zum Kaiserreich Österreich, sogar unter französische Verwaltung, und 1810 endlich und endgültig zu Bayern. Mit dem Gemeindeedikt von 1818 wurden in Altbayern die heutigen Gemeinden geschaffen. Während im übrigen Bayern neue Gemeinden errichtet wurden, entstanden in Berchtesgaden aus den bisherigen Gnotschaften nahtlos die neuen Gemeinden. Das Landgericht Berchtesgaden (im Umfang der früheren Fürstpropstei) wurde dem Isarkreis, dem heutigen Regierungsbezirk Oberbayern, eingegliedert.

Die Gemeindevorsteher bzw.
Bürgermeister der Gemeinde Gern nach 1818 waren:

Anton Kurz, Franz Renoth (erstes Jahr seiner Amtszeit: 1824), Georg Renoth (1830), Franz Renoth (1834), Georg Walser (1839), Georg Renoth (1845), Michael Renoth (1856), Georg Springl (1869), Georg Renoth (1873), Johann Plenk (Bischoflehen, 1881), Michael Holz (Schwaigerlehen, 1883), Georg Renoth (Fendtleitlehen, 1893), Michael Stanger (Vordereben, 1906), Josef Walch (Braunlehen), 1909), Sebastian Hasenknopf (Unterklapflehen, 1912), Franz Rasp (Hartlerlehen, 1919), Heinrich Maußner (Fendtleitbichl, 1924), Josef Rieder (Theresienklause, 1934), Franz Datz (Saghäusl, 1935), Franz Springl (Fluchthäusl, 1945), Franz Seidinger (Schönbichl, 1946), Josef Fegg (Lehen, 1956).

Zu den Aufgaben des Gemeindevorstehers gehörte jahrelang auch, dass er in jedem Quartal Visitationen durchführte. 1847 z. B. wurde „beym Etzermüller alles in ordentlichem Zustand getroffen; nur beym Gerermüller Pächter das Gewicht zu gering befunden. Desgleichen fand auch die Biervisitation statt und wurde das Bier in rechtem Zustand befunden, sowohl in der Gern als auch beym Schlößlwirth. Beym letzteren wurde das Brod nicht gewichthaltig befunden und 12 Kr konfisziert und unter die Armen der Gemeinde Gern vertheilt.“ Über diesen Wirt gab es offenbar Klagen, denn in demselben Jahr heißt es einmal, dass er „ein sehr betrogener Mensch ist und den Leuten mehr anrechnet, als sie verzehren“.

1953 wurde der Gemeindename durch höchstministerielle Entscheidung in den Namen „Gemeinde Maria Gern“ umgeändert. Lange allerdings konnte die Gemeinde ihren neuen schönen Namen nicht führen, denn nachdem in unserer Zeit die Verwaltung einer Gemeinde immer umfangreicher und schwieriger, der Geschäftsablauf immer komplizierter wurde, so dass selbst in kleinen Gemeinden die Verwaltungsaufgaben nicht mehr durch ehrenamtliche Kräfte zu bewältigen waren, vereinigt sich die Gemeinde 1972 mit der Marktgemeinde Berchtesgaden. Die Geschichte der Jahrhunderte währenden selbständigen Gnotschaft bzw. Gemeinde Gern , die zum Zeitpunkt der Gebietsreform von 1972 etwa 470 Einwohner zählte, hatte damit ihr Ende gefunden.

 

Kirche, Schule und Wirtshaus

Genaue Unterlagen über die kirchlichen Anfänge in Gern fehlen leider. Im Stiftgebiet gab es drei Pfarreien, nämlich Berchtesgaden, Marktschellenberg und Ramsau. Die Gnotschaft Gern gehörte – wie die Gnotschaften Au, Bischofswiesen, Königssee, Salzberg und Schönau zum Pfarramt Berchtesgaden. Die Gnotschaft Gern, die 1812 nicht mehr als etwa 280 Einwohner zählte, besaß zwar bereits eine Kirche, die „Gerer“ mussten aber bis 1939 zum Sonntagsgottesdienst in den Markt wandern.
Die erste Nachricht über ein Kirchengebäude liefert uns keine Urkunde, sondern eine Votivtafel aus dem Jahre 1626. Auf dem Bild ist eine kleine offene Kapelle dargestellt, durch deren breite Öffnung die Mutter Gottes mit dem Jesuskind zu sehen ist. Auf dem Betschemel kniet eine betende Frau, wohl die Stifterin, sicher aber auch ein erster Hinweis auf ein allgemein verehrtes Marienbildnis. Die dargestellte Landschaft, ein fast ebenes waldloses Feld, lässt keinen gesicherten Schluß auf den Standort zu. So ist es zweifelhaft, ob das Kapellchen am Platz der heutigen Angererkapelle stand, wie angenommen wird.
Eine zweite Kapelle, nicht viel größer als die erste, aber als Rundbau mit kleinem Zentraltürmchen wohl an der Stelle der heutigen Kirche 1669 errichtet, zeigt uns wiederum ein Votivbild. In ihr brachte der gebürtige Gerner Wolfgang Hueber seine von ihm geschnitzte Marienstatue unter, ein Gnadenbild, das – wie der 2002 verstorbene Altpfarrer Otto Schüller schrieb – „den Mittelpunkt“ von Maria Gern bildet. Wolfgang Hueber war um 1606 im Saghäusl am Gerner Bach auf die Welt gekommen und war salzburgischer Waldmeister in Tirol geworden. Dort hatte er, der ein begnadeter Schnitzer war, die Mutter Gottes mit dem Jesuskind geschnitzt und das Kunstwerk in seine alte Heimat gebracht.
Aber auch diese Kapelle wurde bald bei dem zunehmenden Andrang von Bittgängern und Wallfahrern zu klein, und so wurde an ihrer Stelle um 1680 eine Kirche, eine erste richtige Wallfahrtskirche, gebaut. Wieder ist es ein Votivbild, das uns das Aussehen dieses neuen Gotteshauses zeigt: Es ist diesmal ein Langhaus mit Turm und Sakristeianbau. Allerdings steht der Turm, anders als heute, auf der Nordseite. Dieses Votivtaferl aus dem Jahr 1689 läßt aber auch bereits das Klausnerhäuschen erkennen, in der Eremiten, die auch die Mesnerdienste versahen, bis 1773 wohnten. Diese Eremiten führten allerdings kein beschauliches Dasein, sie hatten bei den nun immer zahlreicher werdenden Bittgängen und Wallfahrten alle Hände voll zu tun.  1691 war auch bereits eine Herberge für Wallfahrer und ein Kramerladen für Kerzen, Lebzelten u.ä. notwendig geworden. Mit der Marienstatue von Wolfgang Hueber, der man, wie es die vielen überkommenen Votivtafeln zeigen, wundertätige Wirkung zuschrieb, nahm die Marienwallfahrt aus dem Berchtesgadener Land, aber auch aus dem Österreichischen in einem solchen Umfang zu, dass auch dieses Kirchlein zu klein wurde und an eine neue, größere Kirche gedacht werden musste.
Es war wohl der Stiftskapitular Heinrich Maximilian Freiherr von Piesser, der die treibende Kraft für den Neubau in den Jahren 1708-1710, und auch, zusammen mit seiner Familie, der Hauptgeldgeber war. Wirklich fertig, mit dem herrlichen Hochaltar, den wunderschönen Fresken und Stukkaturen, festem Dach und neuem Turm, war die Kirche 1724, in welchem Jahr auch die feierliche Einweihung durch den Augsburger Weihbischof Joh. Jakob Maximilian von Mayer stattfand. Die vollständige innere Ausgestaltung, so z.B. mit den Seitenaltären und dem eisernen Gitter, dauerte noch bis 1777, dann aber war die Kirche in ihrer heutigen Gestalt fertig. Diese Kirche Maria Gern, die weitgehend von Berchtesgadener Künstlern und Handwerksmeistern gestaltet wurde, und dessen genialer Architekt unbekannt ist, wurde die „schönste Kirche“  Berchtesgadens und die „originellste Wallfahrtskirche Süddeutschlands“ genannt.
Obwohl also bereits eine wunderschöne Kirche mit einem jährlich von vielen gläubigen Wallfahrern aufgesuchten Gnadenbild auf dem Reitbichl stand, bekannten sich zahlreiche Einwohner der Gern zu dem evangelischen Glauben und wanderten – in der Mehrzahl um 1733 – mit den Glaubensbrüdern und –schwestern aus Au, Scheffau und Bischofswiesen aus ihrer geliebten Heimat aus. Ziel waren in erster Linie die Länder Hannover und Preußen, manche ließen sich später für immer in Altdorf bei Nürnberg nieder. Wieviel  menschliches Leid es damals auch in der Gnotschaft Gern gab, lässt sich kaum erahnen. Folgende Familiennamen finden sich unter den Emigranten: Hasenknopf, Planitscher, Kranawetvogel, Pabenpointner, Bernegger, Hofreuter, Holtz, Jechlinger, Renoth, Schwer. Mitglieder der Sippe Holtz z. B. kamen aus dem Braunlehen, dem Unter-Untersberg, dem Nagellehen, von Hintereben.
Zum kulturellen und sozialen Zentrum der Gern gehörten neben der Kirche auch Wirtshaus und Schule. Das heutige Wirtshaus war um 1800 Mesnerhaus (seit 1773 gab es  einen eigenen Mesner), Bierschenke und Schulhaus in einem . Der Schulbetrieb, eine sog. „Winkelschule“, d. h.  eine Privatschule, in der meist von dem Mesner der Unterricht gehalten wurde, war 1803 auf Kritik gestoßen: „Das Schulzimmer war bisher zugleich Trinkstube für die Honoratioren Berchtesgadens; die Kinder lagerten sich zum Lernen und die Erwachsenen zum Trinken um dieselben Tische herum. Dies bleibt unanständig selbst dann, wenn die Entschuldigung des Mesners, dass die Erwachsenen sich immer nur erst nach der Schulzeit einfinden, wahr sein sollte...“ Der Mesner allerdings, Josef Stanger, wurde 1804 zum öffentlichen Lehrer ernannt.
Protokolle vom 25. März und 30. April 1847 lassen erkennen, dass die Bierschenke der Gemeinde Gern sehr am Herzen lag. Die Gemeindeverwaltung reichte an das kgl. Landgericht ein Gesuch ein und bat um die Bewilligung einer Lizenz zu einem durchgehenden Schankbetrieb. Bei einer Versammlung unterzeichneten neben der Gemeindeverwaltung auch 40 anwesende Gemeindeglieder dieses Gesuch, in dem es hieß, dass „die lokalen Bedürfnisse“ dies verlangten. „Nicht blos im Sommer, auch im Winter ist eine solche erforderlich. So z. B. ist es bekannt, dass die ganze Gemeinde Gern ihre Lebensbedürfnisse auf dem Rücken von Berchtesgaden aus nach Hause tragen muß. Mancher will und bedarf bei der Kirche einer halben Bier, um seine Bürde vollends nach Hause zu bringen – oder man will und bedarf zu Hause einer Maß Bier bei dieser oder andern Gelegenheit.
Auch kommen zur Winterszeit nicht selten von Berchtesgaden Leute an Nachmittagen in die Gern, um das Vergnügen zu genießen auf Schlitten herauszufahren...“
Die Bierschenke sollte durch die Geschwister Andrä und Elisabeth Stangassinger betrieben werden. „Die zwei genannten Geschwisterten verpflichten sich per Eimer Bier 9 Kr an den Schulfond in Gern zu bezahlen, weiters die Geräthschaften zur Schenke selbst anzuschaffen und zu unterhalten; dann die Schulstube zu reinigen, zu beheizen, den Lehrer zu bedienen und das Schulholz abzuschneiden und aufzutragen ...“
Natürlich konnte es kein Zustand auf Dauer bleiben, dass Schule und Wirtshaus unter einem Dach waren. Und so kam im Juni 1854 die Schulgemeinde Gern im Mesnerhaus zusammen, um unter der Leitung der Gemeindeverwaltung und des Distrikts-Schulinspektors Dekan Forster von Berchtesgaden über die Notwendigkeit, ein neues Schulhaus zu bauen, zu diskutieren und abzustimmen. Von den 56 Stimmberechtigten entschieden sich bei namentlicher Wahl 37 für, 19 gegen einen Neubau. Und so entstand nun 1869/70 neben der Kirche das neue Schulhaus, in das 1926 etwa 64 Kinder gingen . 100 Jahre nach dem Neubau schloß am 23. Juli 1969 unter Lehrer Rudolf Ernst die Gerner Schule ihre Pforten. Heute fahren die Schulkinder mit dem Schulbus in die Grund- und Hauptschule nach Berchtesgaden.
Wenn nun auch die Gemeinde Maria Gern ihre politische Selbständigkeit aufgegeben hat und sich das Leben auch im Gerner Hochtal der neuen Zeit (1893-1894 war die neue Straße über Etzermühle und Fluchthäusl angelegt worden) mit geteerten Zufahrten, modernen Verkehrsmitteln und Fremdenvermietung angepasst hat, die „Gerer“ sind sich in ihrem Zusammengehörigkeitsgefühl doch treu geblieben. Das drückt sich im Vereinsleben und bei Festen, etwa der Kirchweih, deutlich aus. Besonders stolz ist man auf die Gerner Musikkapelle, die weit über die Grenzen Berchtesgadens hinaus bekannt ist und bei vielen Gelegenheiten zur Begeisterung des Publikums aufspielt.


Literatur und Quellen:
Marktarchiv Berchtesgaden, Abt. Maria Gern.
Text von Dr. Manfred Feulner im Auftag der Blaskapelle Maria Gern

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